
LEHNSWESEN
Das Lehnswesen, auch Feudalsystem genannt, bildete sich im frühen Mittelalter heraus. Es basiert auf der Beziehung zwischen Lehnsherr und Lehnsmann/Vasall. Der König als oberster Lehnsherr belohnte seine Leute für eine Unterstützung im Krieg mit der Vergabe eines Lehens, einer Leihgabe. Der Empfänger wurde Lehnsmann oder Vasall genannt. Ein Lehen konnte sowohl Land mit entsprechenden Rechten als auch ein Amt sein. Es fiel prinzipiell nach dem Tod des Vasallen an den Lehnsherrn zurück, wobei sich im Laufe der Zeit die Erblichkeit der Lehen in vielen Bereichen quasi durchsetzte. Der Lehnsmann stand unter dem Schutz des Lehnsherrn und verpflichtete sich seinerseits zu Rat und Tat, d. h. zur Teilnahme an Versammlungen und Hoftagen seines Lehnsherrn sowie zu dessen Unterstützung im Kriegsfall. Das Lehnsverhältnis beruhte also auf einer wechselseitigen Beziehung zwischen Lehnsherrn und Lehnsmann. Nicht nur der König, sondern auch → Fürsten, → Grafen, andere Adlige, → Ritter sowie geistliche Würdenträger konnten Lehnsherren sein. Auch konnte ein Lehnsmann eigene Lehnsleute (Aftervasallen/Untervasallen) unter sich haben, also Lehnsherr und Vasall in einer Person sein. Es war eher selten, aber möglich, dass ein Lehen auch an eine Frau vergeben wurde. Das Prinzip des Lehnswesens entspricht in Karandon weitgehend den mittelalterlichen Verhältnissen. Es gibt allerdings im Verhältnis deutlich mehr Lehnsfrauen/Vasallinen als im echten Mittelalter.
NONEN
Sie bezeichnen je nach Monat den fünften oder siebten Tag. → Datierung
PALAS
Wohnbereich einer Burg
PALLIA
Eine hölzerne Planke, die die zwei gegeneinander anreitenden → Ritter in der → Tjost voneinander trennt und verhindert, dass sie sich gegenseitig über den Haufen reiten. Dadurch ändert sich auch der Winkel der Lanze zum Schild des Gegners, da beide Seiten aufgrund der Trennung schräger anreiten. Ursprünglich wurde im Mittelalter ohne Pallia tjostiert, nach ihrer Einführung war beides möglich – mit und ohne Pallia. In Karandon wird meist über die Pallia tjostiert, aber der Verzicht auf die Pallia kommt ebenfalls vor.
PFERD
Das hohe und späte Mittelalter kennt eine Vielzahl von Begriffen für Pferde gemäß Typus und Verwendung. Es gab beispielsweise speziell für den Kampf geschulte Pferde (→ Ritterpferd), Jagdpferde, Reisepferde wie den → Zelter, aber auch einfache Reitpferde und Pferde zum Tragen von Lasten. Die meisten Pferde in Karandon haben (wie im Mittelalter) die Größe von Ponys. Für die Nichtpferdeleute: Die Pferdegröße wird heutzutage in der Regel im Stockmaß angegeben (Widerristhöhe/Schulterhöhe). Von Ponys spricht man bei uns bis zu einem Stockmaß von 1,48 m, danach von einem Großpferd. Dieser Begriff ist für Karandon sozusagen wörtlich zu nehmen. Nicht viele Pferde sind größer als 1,50 m. Pferde ab 1,55 m gelten als riesig und kommen ausgesprochen selten vor. Ein Beispiel ist der Wallach Masko auf Burg Tevola (»Im Bann des Löwen«), von dem Odacin annimmt, dass es das größte Pferd im ganzen Königreich ist. Sein Stockmaß dürfte zwischen 1,55 und 1,60 m liegen, also ein echter Riese für die Verhältnisse in Karandon, nicht aber für uns heute. Übrigens orientieren sich diese Angaben an den Pferdegrößen des echten Mittelalters, basierend auf den Erkenntnissen der Archäologie und der Archäozoologie mit Messungen an erhaltenen Pferdeskeletten. Dass ein mittelalterlicher→ Ritter ein Pferd ritt, das heute als Pony bezeichnet wird, dürfte also Normalität gewesen sein. Heutzutage werden oft weitaus größere Pferde geritten. So wird das auch im internationalen Sport ausgesprochen erfolgreiche Deutsche Reitpferd mit einem ungefähren Stockmaß von 1,58 bis 1,70 oder gar 1,75 m angegeben. Vertreter der Shire Horses, der größten Pferderasse der Welt, können sogar die Zwei-Meter-Marke überschreiten. Odacin würde in Ohnmacht fallen …
QUINTANA
Im Mittelalter eine hölzerne bzw. geharnischte Stechpuppe, die meist für angehende → Ritter als Übungsobjekt Verwendung fand. Sie war auf einem Zapfen angebracht, hatte ausgebreitete Arme und trug rechts einen Schild, den es zu treffen galt, links einen Stock oder Schlägel. Die Quintana konnte sich um die eigene Achse drehen und bei einem ungünstigen Treffer den anreitenden Angreifer einen Schlag versetzen. Heutzutage wird das Quintanareiten (auch Rolandsreiten genannt) wieder auf »modernen Ritterturnieren« veranstaltet. An der linken Seite der Quintana/des Rolands ist ein Sack o. Ä. befestigt, der als Gegengewicht für die Umdrehung dient, den nicht korrekt anreitenden Ritter aber nicht mehr treffen soll.

