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Schild (Mehrzahl: die Schilde)

Der Schild dient dem zusätzlichen Schutz, kann aber durchaus auch als Angriffswaffe verwendet werden. Historisch gesehen gibt es verschiedene Schildformen, wobei der Ritterschild in der Regel eine Dreiecksform aufweist. Diese Form haben auch die Ritterschilde in Karandon. Sie geben außerdem das → Wappen des → Ritters bzw. seines Herrn wieder.

Schlaf

Zum Schlafen im Mittelalter gibt es einige bemerkenswerte Eigenheiten. So haben wohl nicht wenige Menschen im Sitzen oder Halbsitzen geschlafen, was sich u. a. am noch erhaltenen Mobiliar (Betten mit kurzer Liegefläche) ableiten lässt. Das mag nicht zuletzt mit den rauchigen Wohnstätten zusammenhängen. Auch in Karandon ist das Schlafen im Sitzen zumindest bei den Erwachsenen nicht unüblich und mehrere Menschen teilen sich meist ein Bett (wie im Mittelalter). Wer allerdings auf einem Strohsack schläft wie die meisten Knappen, wird dort eher liegen. Ein zweiter spannender Aspekt ist die Theorie vom geteilten Schlaf. Zugrunde liegt der Gedanke, dass die Menschen in vorindustrieller Zeit nicht eine Nacht am Stück durchgeschlafen haben, sondern den Schlaf unterbrochen haben. Grund sind, vereinfacht gesagt, die langen Nächte in der dunkleren Jahreszeit, die zudem dunkler waren als unsere Nächte, denn Beleuchtung war teuer und elektrisches Licht war nun einmal nicht vorhanden. Also schlafen gehen bei Sonnenuntergang und aufstehen mit dem Sonnenaufgang? Es ist schwer vorstellbar, dass die Menschen jahreszeitlich so viele Stunden am Stück durchgeschlafen haben. Experimente der Neuzeit mit dem Entzug von künstlichem Licht ergaben dann auch, dass die Probanden zwischendurch eine Wachphase entwickelten. Die Theorie vom geteilten Schlaf beruht auf der Annahme, dass der Schlaf zwischendurch unterbrochen wurde, es sich also um einen biphasischen Schlaf handelte. In dieser Wachphase sollen die Menschen nicht unbedingt aufgestanden sein, sondern sich unterhalten, über ihre Träume sinniert, gebetet und nicht zuletzt Geschlechtsverkehr gehabt haben. Und natürlich boten die Wachphasen auch Gelegenheiten für verschwörerische Treffen. Bekanntester Vertreter dieser Theorie ist der US-amerikanische Historiker Roger Ekirch, der zahlreiche historische Quellen zu diesem Themen ausgewertet hat. Die Schlafgewohnheiten in Karandon basieren auf dieser Theorie, weshalb es dort den ersten und zweiten Schlaf gibt. Die Wachphase im Sommer ist dort deutlich kürzer als im Winter, denn es wird aufgrund der Lichtverhältnisse später schlafen gegangen und früher aufgestanden. Auch findet der Wachwechsel in der Regel zwischen erstem und zweitem Schlaf statt.

Schultheiß

Eine Person, die dem Wort nach die »Schult heischt«, also innerhalb einer Gemeinschaft im Auftrag ihres Herrn die Schuldigkeiten (Verpflichtungen) auferlegt. Ursprünglich ein Gerichtsbeamter, erscheint der Schultheiß im Mittelalter in verschiedenen Funktionen. Er ist mitunter einem → Grafen unterstellt und seine Aufgaben können von der Vollstreckung von Urteilen über die Einziehungen von Geldern/Abgaben bis zu richterlichen Aufgaben oder der Leitung von Verhandlungen reichen. Er kann von seinem jeweiligen Herrn eingesetzt oder aber durch Wahl ermittelt werden. Die Begriffe Schulze oder ggf. Dorfschulze werden ebenfalls verwendet. In Karandon beschränkt sich der Begriff Schultheiß als ein vom Grundherrn (→ Grundherrschaft) eingesetzter bäuerlicher Dorfvorsteher. Er hat keine richterlichen Befugnisse, kann aber mit der Vollstreckung von Urteilen der niederen Gerichtsbarkeit betraut werden. Generell kümmert er sich z. B. um die Umsetzung grundherrlicher Anordnungen und auch um die Abgaben der Dorfgemeinschaft; er tritt als Mittler zwischen Grundherrn und Dorfgemeinschaft auf. In Karandon gibt es zudem eine nicht geringe Anzahl von Schultheißinnen.

Stadt

In Karandon gibt es (ähnlich wie im Mittelalter) → Reichsstädte und königliche bzw. fürstliche Städte (bischöflich und herzoglich). Die Reichsstädte liegen in der → Korona und – nur rein geografisch – in den Herzogtümern. Die → Herzöge haben jedoch juristisch keinen Zugriff auf die Reichsstädte. Die herzoglichen Städte unterstehen in obsterster Instanz dem Herzog, in dessen Herzogtum sie liegen, die bischöflichen dem Bischof als Stadtherrn, der allerdings selbst keine weltliche Gerichtsbarkeit ausübt. Hierfür ist der → Vogt zuständig, der in dem Fall vom König eingesetzt wird.

Stammburg

Sie trägt den Namen des ansässigen Geschlechts und kann sich dabei sowohl auf Herzogtümer und Grafschaften als auch auf Burglehen beziehen. Der Name der Stammburg bezeichnet das jeweilige Herzogtum bzw. die Grafschaft oder das Burglehen. So heißt in Karandon die Stammburg Herzog Keraks und seiner Familie Burg Liras und gleichzeitig heißt auch sein gesamtes Herzogtum Liras. Die Stammburg Graf Pinos heißt Schelra, nach der seine Grafschaft benannt ist. Diese wiederum liegt im Herzogtum Liras. Die Burg Birloks heißt Tevola; zu ihr gehören das Dorf Tevola mit den umliegenden Wäldern, Gewässern und Feldern, aber auch das Dorf Nerola. Zusammen bildet all dieses das Burglehen Tevola. Der Begriff Stammburg kommt aus dem Mittelalter und bezeichnete dort, ähnlich wie in Karandon, das jeweilige Geschlecht (z. B. Hohenstaufen für die Staufer, Habsburg für die Habsburger). Er löste das sogenannte Leitnamenprinzip ab (z. B. Karolinger für das Geschlecht Karls des Großen).

Terra Incognita

→ Weltbild

Tiere

Die Haustiere waren im Mittelalter deutlich kleiner als unsrige und natürlich nicht so hochgezüchtet wie unsere modernen Nutztiere. Beispielsweise ähnelten die Schweine mehr Wild- als unseren Hausschweinen und die Kühe lieferten weniger Milch bzw. Fleisch als die Vertreterinnen moderner Rassen. Übrigens waren auch die landwirtschaftlichen Erträge aus dem Getreide geringer als bei uns heutzutage. Die → Pferde des Mittelalters hatten nach unseren Erkenntnissen meist nur die Größe von Ponys. All dies gilt auch für Karandon.

Tjost

Ritterlicher Zweikampf, bei dem es galt, seinen Gegner im frontalen Anritt mit eingelegter Lanze aus dem Sattel zu stoßen. Gelang dies nicht, konnte im Wettkampf auch das Brechen der Lanze am Schild oder Helm des Gegners den Sieg bedeuten. Daher stammt die Redewendung »eine Lanze für jemanden brechen«. Das Wort Tjost wird übrigens männlich und weiblich verwendet: der oder die Tjost (oder Tjoste). In Karandon ist nur die weibliche Form (die Tjost) üblich. Das zugehörige Verb heißt tjostieren.

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