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REICHSSTADT

Eine → Stadt, die keinem königlichen oder fürstlichem Stadtherrn untersteht (→ Reichsunmittelbarkeit) und sich selbst verwaltet. Dies ist in Karandon recht ähnlich dem historischen Mittelalter, nur ein wenig vereinfacht. Die Reichsstädte üben die hohe → Gerichtsbarkeit aus. Geografisch liegen die Reichsstädte sowohl in der → Korona als auch in den einzelnen Herzogtümern, sind aber dann dem Zugriff des jeweiligen → Herzogs bzw. des Königs entzogen, wobei der König einige Sonderrechte für sich beansprucht.

REICHSUNMITTEL-BARKEIT

Dies bedeutet, dass man keiner anderen Herrschaft untersteht als dem weltlichen Oberhaupt (König bzw. im Mittelalter auch Kaiser). In Karandon sind alle weltlichen und geistlichen → Fürsten sowie die → Reichsstädte reichsunmittelbar. Grafen hingegen sind in Karandon nie reichsunmittelbar, weil sie von den Herzögen »mediatisiert« werden, was das Gegenteil von Reichsunmittelbarkeit bedeutet. Die mittelalterlichen Verhältnisse waren bzw. entwickelten sich ähnlich, wobei nicht so stringent.

RITTER

Der mittelalterliche Ritter ist ein ganz und gar schwieriger Begriff, der im Laufe der Jahrhunderte einem Wandel und einigen Veränderungen unterlag. Vereinfacht gesagt, war ein Ritter ein Reiterkrieger, ein hoch spezialisierter Berufskämpfer. Seine wichtigste Waffe – noch vor dem Schwert – war die schwere, unter dem Arm eingelegte Stoßlanze. Die ritterliche Kampfweise erfolgte oft im geschlossenen Verband mit eben dieser Stoßlanze. Man spricht hier gern von der sogenannten gepanzerten Stahlwand. Daneben gab es aber auch den ritterlichen Einzelkampf. Die mittelalterliche Ritterschaft entstand im 11. bzw. 12. Jahrhundert. Zu einem Ritter stellt man sich meist ein → Wappen vor. Vielfach wird auch von einem eigenen Verhaltenskodex gesprochen, dem »Ritterideal«, wie wir heute sagen, das Werte wie Mut, Tapferkeit, Selbstbeherrschung, Freigebigkeit, Eintreten für den christlichen Glauben, Schutz der Bedürftigen, Frauendienst und einiges mehr umfasst. So zumindest der Anspruch. Schnell vermengen sich allerdings idealisierte Vorstellungen späterer Zeiten, vor allem ab dem 19. Jahrhundert, mit historischer Realität. So war die gern hervorgehobene Schonung des Gegners im Kampf vor allem auf den ritterlichen Gegner bezogen und basierte nicht zuletzt auf materiellen Vorteilen (Lösegeld durch Gefangennahme, Erbeutung von Pferd und Ausrüstung des Gegners). Und die Bezeichnung ritterlich meinte nicht zwangsläufig ein bestimmtes Verhalten, sondern die Fähigkeit des berittenen Lanzenkampfes. Sicher ist, dass es DEN Typus des Ritters im Mittelalter nicht gab. Weder waren alle Ritter Aushängeschilder vorbildlichen Verhaltens, genauso wenig waren sie aber auch durchweg rücksichtslose Unholde. Bemerkenswert ist, dass die Ritterschaft eine eigene Dichtung, eine eigene Kultur, hervorrief: die höfisch-ritterliche Kultur. Ursprünglich ging die Ritterschaft in Deutschland in weiten Teilen auf nicht adlige, teilweise sogar unfreie Personen zurück (Dienstmannen/Ministerialen). Außerdem schloss sie vielfach die Vasallen (→ Lehnswesen) bis hin zum König selbst mit ein, d. h., in der Ritterschaft fanden sich Leute ganz unterschiedlicher Herkunft. Anders als der Adel war die Ritterwürde nicht angeboren, sondern wurde erworben. In Karandon verhält es sich im Prinzip genauso: Es gibt Ritter, die aus Ritterfamilien stammen, aus dem einfachen Adel, aus fürstlicher und königlicher Familie. Darüber hinaus ist es aber auch für Leute aus einfachen Verhältnissen (→ Bauern) möglich, Ritter zu werden, auch wenn das viel schwieriger ist. In Karandon ist die Erlangung der Ritterwürde Voraussetzung, um eine Burg zum Lehen (→ Lehnswesen) zu erhalten, → Graf, → Herzog oder gar König zu werden. Die Ritterwürde ist auch in Karandon nicht erblich. Ob es im Mittelalter weibliche Ritter gegeben hat, ist mehr als fraglich. Wenn überhaupt, so entsprach es nicht der Regel (nicht jede kämpfende Frau im Mittelalter ist als Ritter zu bezeichnen). In Karandon jedoch gibt es mittlerweile weibliche Ritter, allerdings weniger als männliche. Zudem mangelt es ihnen öfter an Anerkennung und hier prallen die Ansichten aufeinander. Wer Burgherrin, Gräfin, Herzogin oder Königin werden will (oder soll), muss in Karandon genau wie die entsprechenden männlichen Anwärter ein Ritter sein, um fähig zu sein, Burg(en), Land und Leute zu verteidigen und die eigenen Leute in Krieg und Fehde anzuführen. Wie bei dem Wort → Knappe gibt es in Karandon nur die männliche Form Ritter. Das Wort Ritterin existiert dort nicht. Übrigens: Sowohl im Mittelalter als auch in Karandon ist ein Ritter nicht zwangsläufig ein → Burgherr, noch lebt er unbedingt auf einer Burg. Der Begriff »fahrender Ritter« deutet bereits darauf hin. Nicht selten verdingen sich Ritter wie im Mittelalter auch als Söldner.

RITTERKAMMER

Analog zur → Knappenkammer ein Begriff aus Karandon, also der Schlafraum für die → Ritter, wo sie auch ihre Habseligkeiten (in Truhen) aufbewahren. Allerdings gab es auch schon im Mittelalter auf entsprechend großen Burgen durchaus Schlafgemächer für privilegierte Bewohner. In Karandon gibt es Ritterkammern, wenn die Burg groß genug ist. Wenn es keine eigene Knappenkammer gibt, schlafen die → Knappen oft auch dort bei ihren Rittern. Existiert keine Ritterkammer, wird im Burgsaal geschlafen (wie auch teilweise im echten Mittelalter). In der Ritterkammer finden sich anders als in der Knappenkammer meist richtige Betten oder zumindest Matratzen und mitunter sogar ein Kamin.

RITTERPFERD

Wie der Name sagt, ein speziell für den ritterlichen Kampf geschultes (und ggf. schon gezüchtetes) → Pferd. Weitere Begriffe sind z. B. Kampfpferd, Schlachtpferd, Schlachtross oder Streitross. Die Bedeutung im Mittelalter und Karandon ist nahezu gleich. An diese Pferde wurden/werden besondere Anforderungen gestellt, und zwar physisch wie psychisch. Das Mittelalter kennt verschiedene Bezeichnungen wie das lateinische Wort dextrarius oder mittelhochdeutsch ros, ors, marc oder französisch destrier. Es bezeichnet keine spezielle Pferderasse. Immer wieder liest man von Kaltblütern, was aber (zumindest wenn man sich moderne Kaltblutrassen vorstellt) ebenso wenig stimmt wie Behauptungen, dass das Friesenpferd ein Ritterpferd gewesen sei. Eher kann man sich Pferde im Cob-Typ vorstellen, also kräftige, mittelgroße Pferde. Von der Größe her dürften viele Ritterpferde Ponys gewesen sein, weshalb auch die urtümlicheren Ponyrassen in die Vorstellung von Ritterpferden passen. Den mittelalterlichen Quellen nach waren Pferde von der Iberischen Halbinsel sehr begehrt. Ob diese aber damals schon so ausgesehen haben wie die iberischen Rassen heute, sei dahingestellt. Immerhin geht die Züchtung des spanischen Cartujano (Kartäuserpferd) auf das 15. Jahrhundert zurück. Das Kampfpferd musste stark genug sein, einen Ritter in den Kampf zu tragen, es musste aber auch wendig genug sein, denn schließlich sind die Ritter nicht nur geradeaus galoppiert. Dass es standardmäßig die sogenannten »Schulen über der Erde« beherrschte, wie sie vor allem an der Spanischen Hofreitschule Wien gelehrt werden, dürfte schwer vorstellbar sein. Über die Qualität der Ausbildung von Ross und Reiter herrschen unterschiedliche Ansichten. Naheliegend ist, dass sie – genau wie heute im professionellen Bereich – unterschiedlich gewesen sein dürfte. Aber allein die Tatsache, dass ein Kampfpferd sehr hochpreisig war, lässt auf eine besondere Ausbildung schließen. Kampfpferde waren auch eine beliebte Beute in Schlacht und Turnier. Übrigens: Dass alle mittelalterlichen Ritterpferde Hengste gewesen seien, lässt sich quellenmäßig nicht belegen. Sicher dürften Hengste eine besondere Eignung mitgebracht haben, aber auch große Herausforderungen an die Haltung (auch auf Reisen) gestellt haben. In Karandon sind die Ritterpferde oft Hengste, aber nicht selten Wallache, also kastrierte Hengste. Stuten werden ebenfalls im Kampf geritten, wenn auch nicht so oft. Im Wesentlichen gilt das hier für das Mittelalter Beschriebene. Dass die guten Ritter in Karandon mit feinen Hilfen reiten, also groben Umgang mit Zügeln und Sporen vermeiden, ist vielleicht ein wenig beschönigend dargestellt. Und wenn es um Leben und Tod geht, dürfte das feine Reiten schnell in den Hintergrund treten – was aber eine feine und präzise Ausbildung grundsätzlich nicht ausschließt.

RÜSTUNG

Schutz des → Ritters, des → Knappen und des → Waffenknechts. Im Laufe des Mittelalters unterlag die Rüstung einer steten Wandlung und Weiterentwicklung vom Kettengeflecht bis zur Vollpanzerung, die sich allerdings nicht jeder leisten konnte. Am Ende des Mittelalters gab es verschieden Turnierrüstungen für die unterschiedlichsten Disziplinen, wobei die Turnierrüstungen häufig deutlich schwerer waren als die für den ernsthaften Kampf und zudem oft für diesen ungeeignet. In Karandon tragen die Ritter in der Regel über dem → Gambeson eine aus vielen tausend Ringen bestehende Kettenrüstung: Kettenhemd (Panzerhemd) mit Kettenbeinlingen und einer Kettenhaube. Die Kettenrüstung wurde übrigens gerade auch im deutschen Mittelalter viel und länger getragen, als gemeinhin angenommen wird. Hinzu kommen gepanzerte Handschuhe (Kettengeflecht, Horn, oft auf Basis eines Lederhandschuhs) und der Helm, außerdem der → Schild. Ritter verwenden in Karandon oft Beckenhauben mit und ohne bewegliches Visier, das im Kampf vor das Gesicht geschoben werden kann, ansonsten aber hochgeklappt wird. Oft sind es Helme in der Art der Barbuta, der italienischen Version der Beckenhaube. Die Helme gibt es jedenfalls in den verschiedensten Ausführungen. Knappen tragen vor allem in den ersten Jahren einfache Nasalhelme, also offene Helme mit einem Naseneisen, das einen teilweisen Gesichtsschutz liefert. Erfahrene, ältere Knappen wechseln dann meist irgendwann zur Beckenhaube über und ebenfalls zur kompletten Kettenrüstung, während die jüngeren Knappen in der Regel erst nur leicht gerüstet sind. Wie gut und umfangreich ein Knappe ausgestattet wird, liegt außerdem an seinen finanziellen Mitteln bzw. an denen seines Ritters. Waffenknechte sind in Karandon leichter gerüstet (meist Gambeson mit und ohne Kettenhemd, Nasalhelm, Handschuhe).

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