
Vasall
Gleichbedeutend mit Lehnsmann → Lehnswesen
Vogt
Ein Verwalter, der im Namen seines Herrn agierte und ggf. auch richtete. Das konnte im Mittelalter in einem Kloster sein, aber auch in einem weltlichen Herrschaftsbereich wie einer Burg. Da die mittelalterlichen Verhältnisse einmal wieder komplexer waren und natürlich auch einem zeitlichen Wandel unterlagen, werden hier die Verhältnisse in Karandon beschrieben, die deutlich einfacher und klarer sind. Es gibt verschiedene Arten von Vögten. Klostervögte übernehmen alle militärischen Funktionen des Klosters, da diese der Geistlichkeit ja untersagt sind. Ähnlich verhält es sich mit Vögten in Bistümern. Ein Stadtvogt vertritt den weltlichen Stadtherrn, der in Karandon der König oder ein → Herzog sein kann. Der Burgvogt unterscheidet sich in Karandon vom → Burgherrn insoweit, dass der Burgvogt kein → Vasall ist, die Burg also kein Lehen, sondern weiterhin eine königliche, herzogliche oder gräfliche Burg. Der Burgvogt hat weniger Befugnisse als ein Burgherr, auch führt er in Karandon in seiner Funktion meist nicht das (soweit vorhandene) eigene Familienwappen, sondern das → Wappen des Burgbesitzers. Vögte sind in Karandon überwiegend → Ritter, theoretisch können es aber auch → Waffenknechte sein, die auf der Karriereleiter nach oben geklettert sind. Und es können erwachsene → Knappen sein, die aus welchen Gründen auch immer die Ritterwürde nicht erlangt haben. Grundsätzlich wird bei einem Vogt neben seinen organisatorischen Fähigkeiten und oftmals juristischen Kenntnissen eine gute Beherrschung des Waffenhandwerks vorausgesetzt.
Waffenknecht
Der Begriff Waffenknecht stammt aus dem Mittelalter, hat dort aber eine weitere und komplexere Bedeutung als in Karandon. Zudem gibt es dort verschiedene Begriffe mit ähnlicher oder gleicher Bedeutung wie z. B. Kriegsknecht. In Karandon ist das Wort Waffenknecht ein Sammelbegriff für alle professionell Kämpfenden, die nicht zur Ritterschaft gehören, also weder → Ritter noch → Knappen sind. Es handelt sich oft um fahrende Kämpfer, die unterschiedlichen Herren dienen, nicht selten als Söldner (wie Ritter im Übrigen auch). Sie sind in der Regel leichter gerüstet als Ritter, kämpfen gelegentlich zu Pferd, aber überwiegend zu Fuß. Auch als Bogenschützen werden sie eingesetzt. Waffenknechte findet man außerdem auf Burgen, in Bischofssitzen und Klöstern sowie bei der Stadtwache. Im Geleitschutz spielen sie ebenfalls eine wichtige Rolle. Karandons Waffenknechte sind fast immer männlich und die wenigen Frauen unter ihnen bezeichnen sich meist auch als Waffenknechte und nur selten als Waffenmägde.
Wappen
Wappen sind farbige Bildzeichen einer Familie oder einer Gemeinschaft, bisweilen auch einer Einzelperson. Sie werden in Schildform dargestellt und finden sich im entwickelten Wappenwesen auf → Schild, Waffenrock (Wappenrock) und → Covertiure des Ritters, wobei noch die Helmzier hinzukommt. Die Anfänge des Wappenwesens liegen im 12. Jahrhundert. Wappen sind überdies Erkennungszeichen. Sie unterliegen festen Regeln in der Kombination der zulässigen Tinkturen, also der Farben (Blau, Grün, Rot, Schwarz und mit Einschränkung Purpur) und der Metalle (Gold und Silber, meist durch Gelb und Weiß wiedergegeben), wobei es auch historisch »unheraldische Wappen« gibt, d. h. solche, die der sogenannten Farbregel widersprechen. Hinzukommen kann noch das heraldische (stilisierte) Pelzwerk (Hermelin, Feh – abgeleitet von Eichhörnchenfell). Im Wappen unterscheidet man sodann zwischen Heroldsbildern (geometrischen Figuren wie z. B. Schildteilungen) und gemeinen Figuren (stilisierte Tiere, Pflanzen, Gegenstände etc.). In Karandon unterliegen die Wappen alle der heraldischen Farbregel, die besagt, dass Farbe und Metall abwechselnd verwendet werden müssen. Das erhöht die Sichtbarkeit. Weder im historischen Mittelalter noch in Karandon führt jeder Ritter zwangsläufig ein eigenes Wappen. In Karandon hängt es davon ab, ob die Familie über ein Wappen verfügt. Dieses wird dann weitervererbt. Es kann einem Ritter jedoch auch ein eigenes neues Wappen verliehen werden. Das ist dann der Fall, wenn kein Familienwappen vorhanden ist. Gegebenenfalls führt der Ritter aber das Wappen seines Herrn, so im Falle Galdurs von Tevola: Er trägt das Wappen von Liras, weil er in den Diensten des Herzogs steht und das auch überall zeigen will (obwohl seine Familie Tevola sogar über ein eigenes Wappen verfügt). Andere Ritter wie zum Beispiel Mevar von Alonkur führen ihr Familienwappen, auch wenn sie direkt im Namen ihres Herrn handeln. In Karandon tragen Ritter, die über kein eigenes Wappen verfügen und auch keinen Herrn haben, dessen Wappen sie führen, in der Regel einfarbige Schilde, Waffenröcke und → Covertiuren. Es kommt vor, dass sie unerlaubt auch ein Wappen führen, das ihnen nicht zusteht. Bei Turnieren wird dies (auch im echten Mittelalter) in der sogenannten Helmschau durch die → Herolde überprüft. Die fachsprachliche Beschreibung eines Wappens nennt man Blasonierung. → Heraldik, → Herold
Wappenkönig
Oberster → Herold. Wappenkönige trugen und tragen oft Kunstnamen bzw. Amtsbezeichnungen wie im Mittelalter z. B. »Romrich« bzw. »Romreich« für den Wappenkönig des römisch(-deutschen) Reichs, »Ungarlant« für Ungarn oder »Gelre« für das Herzogtum Geldern. Dass die Wappenkönige Ereignisse aufzeichnen bzw. aufzeichnen lassen und die Auswahl der in ihren Augen wichtigsten historischen Geschehnisse in einer Wappenchronik zusammenstellen, ist allerdings nur auf Karandon zu beziehen. Zwar gibt es auch historische Wappenchroniken, aber im Falle von Karandon handelt es sich um eine spezielle Chronik mit einer spezifischen Bildsprache. In Karandon gibt es für jedes Herzogtum einen Wappenkönig, der einen Kunstnamen trägt (z. B. »Bajania« für den Wappenkönig von Baja), sowie einen königlichen Wappenkönig, der gleichzeitig oberster Wappenkönig des Königreiches ist und den Kunstnamen »Koronia« trägt. Traditionell verstehen sich die Wappenkönige in Karandon ausgesprochen konservativ als reine Männerdomäne; Wappenköniginnen werden nicht geduldet. Herzogin Kolwen von Lavreda ist allerdings nicht gewillt, dies länger hinzunehmen …
Weltbild
Schon lange vor dem Mittelalter war die Kugelform der Erde bekannt! Die Vorstellung, dass die Menschen des Mittelalters an eine Erde in Scheibenform geglaubt haben, ist falsch (einzelne Zeitgenossen ausgenommen). Auch die Menschen in Karandon sind von der Kugelform der Erde überzeugt. Das Mittelalter kannte wie die Antike drei Kontinente: Europa, Afrika und Asien. Bisweilen ist von einem vierten Kontinent die Rede: terra australis incognita. Terra incognita kann aber auch auf den bekannten Kontinenten liegen und bedeutet wörtlich »unbekanntes Land«. Heute wird der Begriff meist im übertragenen Sinn verwendet wie beispielsweise für einen unerforschten Bereich des Wissens. An den Rändern der Welt und vor allem in östlichen Regionen vermutete man im Mittelalter die sogenannten Wundervölker und die »Wunder des Ostens«. In Karandon gibt es ebenfalls die Vorstellung von Terra incognita und von Wundervölkern. Auch sind dort drei Kontinente bekannt, die allerdings nicht (!) deckungsgleich mit Europa, Afrika und Asien sind, aber einige Ähnlichkeiten aufweisen: den Südkontinent, den Ostkontinent und den (je nach Perspektive) Nord- oder Westkontinent, auf dem sich ganz im Osten auch Karandon befindet. In Karandon spricht man deshalb einfach oft vom »Kontinent«, wenn man den eigenen Erdteil meint. Die geografischen Vorstellungen der meisten Menschen sind allerdings begrenzt und mitunter sehr fantasievoll, wenn es um die Ferne geht, wobei gerade durch den Fernhandel einiges an Wissen transferiert wird. Das gilt übrigens für das Mittelalter ähnlich.
Zelter
Damit wurde im Mittelalter ein → Pferd bezeichnet, das sich durch eine besonders bequeme Gangart auszeichnete, die heutzutage häufig mit dem Passgang gleichgesetzt wird. Beim Pass, dem »Kamelgang«, fußen die gleichseitigen Beinpaare des Pferdes gemeinsam in einem Zweitakt auf (linker Hinterfuß zusammen mit linkem Vorderfuß, rechter Hinterfuß gleichzeitig mit rechtem Vorderfuß). Es spricht aber einiges dafür (auch aus sprachwissenschaftlicher Sicht), dass es sich bei den mittelalterlichen Zeltern nicht um Passgänger, sondern eher um Tölter gehandelt hat. Beim Tölt (»Zelt«) wird der Zweitakt Pass zum Viertakt gebrochen, d. h., die Füße setzen einzeln nacheinander auf. Es gibt ihn auch heute noch weltweit in den verschiedensten Varianten. Bekanntester Vertreter ist in Europa das Islandpferd, das sowohl über Tölt (Viergänger) als auch über Tölt und Pass (Fünfgänger) verfügen kann. Der Tölt steht für besondere Bequemlichkeit und Reitkomfort, weil es bei ihm anders als beim Trab (diagonale Fußfolge im Zweitakt) keine Schwebephase gibt, die zur Erschütterung des Reiters führt. Man kann Zelter auch einfach als Gangpferde bezeichnen, die neben den drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp eben noch eine weitere Gangart beherrschen. Im Mittelalter waren Zelter nicht nur begehrte Pferde für adlige Frauen, sondern wurden auch sehr gern allgemein als Reisepferde eingesetzt, so auch von der Ritterschaft. Meist verfügte der → Ritter ohnehin über mehrere Pferde: Neben seinem Kampfpferd (→ Ritterpferd) besaß er ein Reisepferd, das eben auch ein Zelter sein konnte, außerdem ein Packpferd. Das Kampfpferd wurde dann auf der Reise vom → Knappen als Handpferd geführt. Die reicheren Ritter besitzen in Karandon ebenfalls mehrere Pferde, aber diesen Luxus können sich nicht alle leisten. So reiten die einfachen Ritter auch während der Reise nicht selten auf ihren Kampfpferden. Einige Ritter haben mehrere Kampfpferde, die sie ggf. auch zum Reisen verwenden.

